09. März 2018
Das Schöne an einem Klinikaufenthalt ist, dass du für eine überschaubare Zeit deinen Alltag, deine Freunde und deine Familie verlässt und plötzlich alles ruhiger einhergeht. Therapeuten nennen dieses Spektakel „Entschleunigung“. Es liegt an einem selbst, wie viel man von seiner Außenwelt in die Klinik mitnimmt oder gar rein lässt. Ich hatte für mich entschieden, so wenig wie nur möglich mit reinzunehmen. Im Laufe der Zeit hatte selbst mein Handy immer mehr an Bedeutung für mich...
05. Januar 2018
„Du bist immer noch da. Immer in meinem Kopf. Immer noch ganz nah.“ Als ich nach dem Live Auftritt meiner Lieblingsband wieder Richtung Krankenhaus spazierte, erinnerten mich die klare Luft, der Sternenhimmel und sogar die Straßenbeleuchtung an dich. Egal wo ich hinsah – du warst überall. Ich war schon spät dran und musste mich beeilen um wieder rechtzeitig in der Klinik zu sein. Dort angekommen, fühlte ich mich ziemlich erschöpft. Die vielen Menschen auf dem Konzert, die Blicke...
31. Dezember 2017
Sobald man aus der Sicht des Klinikpersonals als belastbar genug erscheint, folgen sogenannte „Belastungserprobungen“. Diese können sehr unterschiedlich aussehen. Je nach Belastbarkeit, darf ein Patient das Klinikgelände verlassen, um Besorgungen zu erledigen, man darf Tagesausflüge machen, und bei gesicherter Stabilität darf man sogar über Nacht weg bleiben, um zu Hause schlafen zu können. Meine erste „Tagesbelastung“ fand im September 2015 statt. Gemeinsam mit meinen Schwestern,...
23. November 2017
Es war mitten in Nacht. Ich wachte auf, griff nach meinem Handy und checkte meine persönlichen Nachrichten. Familie, Freunde und auch neugierige Wissensdurstige erkundigten sich nach meinem Befinden. Ich scrollte die Eingänge mehrfach rauf und runter. Stets in der Hoffnung, ich hätte seinen Namen als Absender überlesen, und konnte deshalb keinen Posteingang von ihm verzeichnen. Doch so war es nicht. Ich legte mein Handy bei Seite und schlief wieder ein. Mehrfach wiederholte sich das...
05. November 2017
Schnell schleicht sich während eines Klinikaufenthaltes der Alltag ein. Aufstehen, frühstücken, schlafen, Therapie, Mittagessen, schlafen, Therapie, Freizeit, Abendessen, wach liegen. Tagein, tagaus – hin und wieder auch mal im unterschiedlichen Rhythmus, oder auch mit Überraschungen. Aber im großen Ganzen ändert sich Nichts. Mir wurde das Therapieangebot „Akupunktur“ empfohlen. Ich war voller Erwartungen, weil ich mit diesem Therapieangebot bisher noch nicht in Berührung gekommen...
31. Oktober 2017
Seine Antwort erreichte mich gegen Mitternacht. Während ich seine Nachricht öffnete, schlug mein Herz bis zum Hals. Es fühlte sich so an, als ob mein Herz gegen mein Brustbein donnerte und kurz vorm Aussetzen wäre. Meine Arme fingen an zu beben, mir stockte der Atem, und ich musste brechen. Alles noch, bevor ich anfing, seine Nachricht überhaupt zu lesen. Ausführlich beschrieb er darin seinen Gefühlszustand - einfühlsam und verständnisvoll. Für einen kurzen Moment hatte ich das...
24. Oktober 2017
Einige Wochen waren nach meiner Einweisung in die Psychiatrie vergangen, und mein seelischer Gesundheitszustand blieb unverändert. Die Ärzte versuchten wahrscheinlich ihr Bestes, doch davon bemerkte ich nichts. Regelmäßig kamen Ärzte und Pfleger auf mich zu und versorgten mich mit neuen Medikamenten. Und wenn Nebenwirkungen auftraten, gab es eben halt ein zusätzliches Medikament, welches die Nebenwirkungen aufhob. Der Beginn meines persönlichen Tabletten-Tangos begann. Die Klinik...
16. Oktober 2017
…inzwischen waren einige Tage vergangen, und ich wurde von der geschützten Station der Psychiatrie auf die offen geführte Station verlegt. Dort fühlte ich mich um einiges besser aufgehoben. Die ersten Tage verbrachte ich jedoch auch dort überwiegend nur im Bett. Regelmäßig versuchten Pfleger und Ärzte, mich dazu zu animieren, das Therapieangebot wahrzunehmen, doch ich fühlte mich noch immer zu schwach. Der leitende Oberarzt beschrieb mich als wortkarg, antriebslos, wenig präsent und...
02. Oktober 2017
Nur langsam wurde mir bewusst, wo ich mich gegenwärtig befand. Der Stationsarzt verabschiedete sich und schloss hinter sich die Tür. Ich saß auf meinem Bett. Meine Augen zugeschwollen vom Weinen und nur wenig Stunden Schlaf. Ich blickte mich im Raum um. Der Raum hatte jedoch nicht viel zu bieten. Mein Bett, ein Linoleumboden, vier weiße Wände und eine Videokamera, an einer Wand befestigt, die auf mein Bett gerichtet war.
21. September 2017
Du kennst meinen Namen, aber nicht meine Geschichte! Das galt auch für die Rettungssanitäter und den Polizeibeamten, welche mich an einem warmen Sommerabend in die Notfallambulanz begleiteten. Diagnose: F33.3 (Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psychotischen Symptomen) Die Schnittwunden am Unterarm bluteten und ich hatte die Befürchtung, dass ich an meinen Tränen ersticken könnte. Ich versuchte, mich zu beruhigen, doch es gelang mir nicht. Jeder Versuch,...

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